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Steuererklärung: Schluss mit der Schnäppchenjagd

20. April 2012

Die Steuererklärung erinnert an das gute alte Supermario-Game: Es gewinnt wer am meistens Pilze bzw. Steuerabzugsbeträge sammelt. Die Rolle von Marios Bruder Luigi übernehmen dabei Steuerberater und Anwälte, die möglichst viele Steuerschlupflöcher suchen.

Sehr vielfältig sind beispielsweise die Möglichkeiten bei Wohneigentum: von Maklergebühren über Werkzeug für Reparaturen bis zum „Wohn-Riester“ sind allerlei Kosten absetzbar.Zu den Werbungskosten für das Arbeitseinkommen gehören nicht nur der Arbeitsweg, sondern von den Ausgaben fürs Essen über das Arbeitszimmer bis zum Internet- und Telefonanschluss zu Hause. Und neben Umzugskosten sind auch „weitere Umzugsauslagen“ (Trinkgelder für die Möbelpacker, Kosten für Ummeldung… ) möglich und sogar umzugsbedingter Nachhilfeunterricht für die Kinder absetzbar. Ganz zu schweigen von den Tipps und Tricks für selbstständig Erwerbende.

Auf den ersten Blick erscheinen die vielen Möglichkeiten zum Kosten absetzen als „gerecht“. Kosten, die notwendig waren um das Einkommen zu erzielen, sollen abgesetzt werden können; deswegen sieht das Gesetz auch so viel Abzüge vor, um jeder individuellen Situation gerecht zu werden. Mit „Gerechtigkeit“ hat das aber immer weniger zu tun. Belohnt werden die Listigen, die die Regeln des Spiels beherrschen, und Leute mit viel Geld. Wegen der direkten Progression spart jemand mit hohem Einkommen mit z. B. der gleichen Pendlerpauschale bis zu viermal mehr Steuern als jemand mit tiefem Einkommen. Und aufwändige Steuerberatungen lohnen sich umso mehr für Leute mit viel Geld, und sind auch erst dann bezahlbar.

Das jetzige Steuersystem schadet der „Steuermoral“ und unterminiert das Prinzip der „Besteuerung nach wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit“. Man muss nicht gleich eine „Steuererklärung auf dem Bierdeckel“ fordern, die mit nur einer Einfachpauschale die individuelle Situation gar nicht mehr berücksichtigt. Gerade eine linke Steuerpolitik müsste aber den Katalog der Werbungskosten, Pauschalbeträgen, Freibeträgen usw. verschlanken. Auch ein Maximalbetrag, der von den Bruttoeinkünften abgesetzt werden kann, könnte diskutiert werden. So würden endlich Mittel frei, um die Steuersätze für tiefe und mittlere Einkommen – den „Mittelstandsbauch“ – zu senken, beispielsweise indem der Eingangssteuersatz von 14% abgesenkt wird. Statt einer Steuerschnäppchenjagd gäbe es dann endlich wieder etwas mehr Geld für diejenigen, die es nötig haben.

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