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Grundlagenforschung und klinische Forschung

9. November 2012

Unter dem Dach des „Berliner Instituts für Gesundheitsforschung“ (kurz „BIH“ für „Berlin Institute of Health“) sollen die Berliner Universitätsklinik Charité und das MDC (Max-Delbrück-Centrum; gehört zur Helmholtzgesellschaft, die vor allem vom Bund finanziert wird) zusammengeführt werden. Beim Twittern dieser Nachricht wurde ich gefragt um was es bei Grundlagenforschung bzw. klinischer Forschung geht – hier eine kurze Erklärung. Informationen zum BIH gibt es bei der Berliner Zeitung und auf der MDC-Website.

Ziel des BIH ist es, Grundlagenforschung und klinische Forschung bzw. klinische Anwendungen näherzubringen. Am MDC arbeiten vor allem Biologen der verschiedener Ausrichtungen, also Molekularbiologen, Biochemiker, Zellbiologen usw. – nicht aber z.B. Botaniker oder Zoologen. Letztere befassen sich mit sichtbaren biologischen Entscheidungen, also wie sich Bäume entwickeln, Zugvögel wandern usw. Bei uns am MDC geht es um das Funktionieren von Biologie auf mikroskopischer Ebene – wie sich Zellen verhalten (Zellen sind ungefähr ein Zwanzigstel Millimeter groß, der menschliche Körper besteht aus ungefähr 100 Billionen davon), und was die Moleküle in der Zelle so tun. Diese Art Forschung ist mehr und mehr wichtig geworden für die moderne Medizin, denn viele Krankheiten haben ihre Ursache darin, dass sich irgendwelche Zellen oder auch einzelne Moleküle in Zellen „falsch“ verhalten.

Das ist nun also Grundlagenforschung: Herausfinden wie beispielsweise menschliche Zellen sich verhalten, und welche Funktionen einzelne Moleküle darin haben. Beispielsweise Krebs: In der Grundlagenforschung versucht man herauszufinden, welche Moleküle und welche Arten von Zellen (es gibt sehr viele verschiedene Arten von Zellen, Nervenzellen, Hautzellen, usw.) beteiligt sind, und warum das in einigen Fällen zu bösartigen Tumoren, in anderen „nur“ zu gutartigen Geschwulsten kommt.

Wenn nun diese Vorgänge bekannt sind, kommt die angewandte Forschung zum Zug; das sind meistens Pharmaunternehmen, aber auch Krankenhäuser die Forschung betreiben, wie eben die Charité. Dann geht es darum, das Wissen um die Vorgänge, das aus der Grundlagenforschung kommt, anzuwenden – gibt es vielleicht eine Möglichkeit, das Tumorwachstum mit einem neuen Medikament zu stoppen? Oder könnten schon bekannte Medikamente auch für dieses Problem eingesetzt werden?

Wenn dann nun was da ist, sind die Klinikärzte am Zug: Wie kann man die Medikamente am besten einsetzen? Gibt es Kombinationsmöglichkeiten mit Chirurgie?

Solche Prozesse, von der Grundlagenforschung zur Anwendung im Krankenhaus dauern natürlich alles sehr lange, benötigt sehr viele Personen, Experimente, Studien usw. (neudeutsch nennt man das übrigens „from bench to bedside“, also von der Arbeitsfläche im Labor zum Klinikbett, oder „translational medicine“) Und hier setzt das BIH an: Eine Verkürzung der Wege von Grundlagenforschung zu klinischer Anwendung.

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