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Hannover und die Gene

23. Februar 2013

Auf Druck von Greenpeace wird in Niedersachsen das Projekt HannoverGEN gemäß dem rot-grünen Koalitionsvertrag (Seite 74) beendigt. Bei HannoverGEN, dem „niedersächsische Modellprojekt für Schullabore zum Thema Grüne Gentechnik“ können Schülerinnen und Schüler in einem molekularbiologischen Labor an einer Stützpunktschule etwas über grüne Gentechnik und deren Beurteilung lernen, sowie praktisch, „hands-on“, molekularbiologische Methoden anwenden (ungefähr diese Techniken, die ich, hoffentlich auf einem leicht höheren Niveau, jeden Tag im Labor auch mache…). Während man über die Art und Weise der Wissensvermittlung zur grünen Gentechnik geteilter Meinung sein kann, finde ich dass der praktische Teil des Projektes unbedingt erhalten werden soll. Daher habe ich folgenden Text habe ich an die Sprecherinnen/Sprecher Kultus und Wissenschaft der SPD Niedersachsen geschickt:

Im Projekt HannoverGEN können Schülerinnen und Schüler molekularbiologische Methoden selbst, „hands-on“, anwenden, die sie sonst nur theoretisch lernen. Solche Methoden werden weltweit in Zehntausenden von Laboren in vielen Bereichen, von biologischer Grundlagenforschung, Verbraucherschutz (bspw kann mit solchen Methoden Pferdefleisch nachgewiesen werden…), über die Pharmaindustrie bis zu Qualitätskontrollen verwendet. Auch ich verwende genau das, was die Schülerinnen und Schüler da lernen, in meiner täglichen Arbeit in der biologischen Grundlagenforschung in einem Institut der Helmholtz-Gemeinschaft.

Nun wurde dieser praktische Teil in HannoverGEN mit Themen aus Agrarindustrie und grüner Gentechnik verquickt. Hier gibt es die bekannten großen inhaltliche Differenzen, die dann auch ein Grund waren, warum Greenpeace das Projekt stark kritisiert hat. Deshalb wohl wurde nun dessen Beendigung im rot-grünen Koalitionsvertrag beschlossen (Seite 74). Die Kritik von Greenpeace mag durchaus berechtigt sein, dafür kenne ich das Projekt zuwenig. Ich glaube aber, dass der praktische Teil von HannoverGEN in den Schullaboren in einem Folgeprojekt unabhängig bzw. getrennt von dem Unterricht zu grüner Gentechnik  weitergeführt werden sollte.

Ich würde mich sehr freuen wenn ihr euch für eine solche Fortsetzung engagieren könntet – ich glaube es ist sehr wertvoll, wenn Schülerinnen und Schüler wissenschaftliche Methoden wie Gelelektropherese, Polymerasenkettenreaktion, Genklonierung usw., die Teil des Abiturwissens sind, selbst einmal durchführen können. Einerseits kann man dadurch mehr Schülerinnen und Schüler für ein naturwissenschaftliches Studium begeistern – Stichwort Fachkräftemangel –, andererseits auch die Möglichkeiten und Grenzen der heute mancherorts so verbreiteten naturwissenschaftlichen Methoden aufzeigen.

 

 

Der geerdete Doktortitel

9. Februar 2013

Ob der Rücktritt der Bildungsministerin Schavan ein Verlust ist für die deutsche Bildungspolitik kann ich nicht beurteilen – viele Tweets nach dem Rücktritt hatten wenig Lob übrig für Frau Schavan, von „verkorkster Exzellenzstrategie und elitärer Stipendienstrategie“ war beispielsweise die Rede. Vielleicht wird Bildungs- und Forschungspolitik nun im Wahlkampf auch erhöhte Aufmerksamkeit erhalten, was sicher nicht schaden kann.

Unabhängig davon wird der Doktortitel in Folge der Fälle Schavan, Guttenberg, Koch-Mehrin usw. etwas „down to earth“ geholt. Eine Dissertation soll eine solide und oft notwendige Basis sein für wissenschaftliches Arbeiten. Es ist auch eine gewisse Auszeichnung, und es ist schön dass intellektueller Leistung Respekt entgegengebracht wird*, auch wenn sie manchmal etwas brotlos daherkommt.

Keinesfalls darf aber ein Dr. vor dem Namen ein Karrierevehikel sein, ein Türöffner für den Aufstieg, etwas, ohne das man in gewissen Kreisen offenbar geringer geschätzt wird. Ein Doktortitel macht aus seiner Trägerin bzw. seinem Träger keinen besseren Menschen, auch wenn das vielerorts gedacht wird. Auch Bundesbildungsministerinnen und -minister brauchen keine Dissertation. Das einzige was sie mit dem Dr. am Hut haben müssen: gute Rahmenbedingungen schaffen für Doktorandinnen und Doktoranden, und dafür sorgen dass alle die können und wollen, die Möglichkeit haben eine Dissertation zu schreiben, unabhängig von der sozialen Herkunft. Daran sollten wir künftig Bildungsministerinnen und Bildungsminister messen.

*In Deutschland habe ich einige Male anerkennend gehört „Du hast ja einen Dr.“ – was in der manchmal etwas intellektuellenfeindlichen Schweiz nie vorgekommen ist.