Home

Wissenschaftliche „glamour magazines“ boykottieren?

12. Dezember 2013

Am Montag hat Nobelpreisträger Randy Schekman zum Boykott der wissenschaftlichen „glamour magazines“ Science, Cell und Nature aufgerufen und angeregt, in open-access-Magazinen wie das von ihm mitherausgegebene eLife zu publizieren. Die Reaktionen waren sehr verschieden. Die einen unterstützten ihn, auf einem anderem Blog wurde Scheckman  als Heuchler bezeichnet, da er ja selber und bis vor kurzen oft in diesen Magazinen publiziert hat, und auch darauf seinen Erfolg baute.

Update: Zwei weitere interessante links Elsevier hier und hier.

Was ist davon zu halten? Scheckman hat m.E. natürlich recht, es braucht Veränderungen beim wissenschaftlichen Publizieren, weg von impact factors und GlamMagz, hin zu open access (siehe dazu mein Blogbeitrag hier). Aber diese Änderungen sind fundamental und betreffen Hunderttausende von WissenschaftlerInnen und Zehntausende von Institutionen. In der – sowieso eher trägen – Wissenschaft mit ihren hierarchischen Abhängigkeiten können einzelne nicht ohne weiteres von tradierten Verhaltensweisen wegzukommen. Junge WissenschaftlerInnen müssen in Hochglanzzeitschriften publizieren, um eine Chance haben im akademischen Betrieb zu bleiben. GruppenleiterInnen müssen „gut“ publizieren um die richtigen Leute an sich zu ziehen, sich permanente Stellen zu sichern und Drittmittel einzuwerben. Instituten stellen Leute ein, die prestigeträchtige Publikationen haben, um sicherzustellen dass der wissenschaftliche Output und die Drittmittelstatistik stimmt, man wird ja schließlich jährlich evaluiert. Universitäten und Forschungsinstitutionen müssen quantifizierbare Top-Daten vorweisen, um bei Exzellenzinitiativen und Finanzierungsrunden mithalten können – und so weiter.

Wer soll den ersten Schritt machen? Ja, alle WissenschaftlerInnen und Institutionen müssen „awareness“ schaffen und bereit sein ihren Teil dazu beitragen, wissenschaftliches Publizieren und damit die Wissenschaft an sich besser zu machen. Aber damit wirklich was geht, müssen die großen Wissenschaftsinstiutionen, die großen Geldgeber, die international maßgeblichen Universitäten einen mehr oder weniger koordinierten Schritt nach vorne machen. Hoffentlich kann Scheckmans Aufruf dazu beitragen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: